Exit-Strategien für Unternehmer: Warum Sie schon heute an morgen denken sollten
Als österreichischer Unternehmer sollten Sie von Anfang an strategisch denken: Ein verkaufsfähiges Unternehmen läuft profitabler und verschafft Ihnen mehr Handlungsfreiheit. Lernen Sie die wichtigsten Exit-Strategien für den österreichischen Markt kennen.

Überblick
Sie haben gerade ein Unternehmen übernommen oder führen bereits seit Jahren Ihren Betrieb – und sollen jetzt schon an den Verkauf denken? Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber einer der wichtigsten strategischen Grundsätze erfolgreicher Unternehmer. Ein Betrieb, der jederzeit verkaufsfähig ist, läuft nicht nur profitabler, sondern verschafft Ihnen als Inhaber auch deutlich mehr Handlungsfreiheit.
In Österreich wechseln jährlich rund 8.000 Unternehmen den Besitzer. Dabei erzielen jene Verkäufer die höchsten Preise, die ihre Firma systematisch auf einen Verkauf vorbereitet haben – oft über Jahre hinweg. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Unternehmen "exit-ready" gestalten und welche Ausstiegsstrategien für österreichische Betriebe realistisch sind.
Die drei Säulen der Verkaufsfähigkeit
Operative Unabhängigkeit schaffen
Der häufigste Grund für gescheiterte Unternehmensverkäufe in Österreich ist die zu starke Abhängigkeit vom Inhaber. Wenn Ihr Betrieb ohne Sie nicht funktioniert, zahlen Käufer deutlich weniger – oder springen ganz ab.
So bauen Sie systematisch Unabhängigkeit auf: Entwickeln Sie eine zweite Führungsebene und geben Sie schrittweise Verantwortung ab. Dokumentieren Sie alle wichtigen Prozesse so detailliert, dass neue Mitarbeiter sie ohne Einarbeitung verstehen können. Investieren Sie in moderne Systeme: Ein gut funktionierendes ERP-System mit automatisierten Abläufen steigert den Unternehmenswert erheblich.
Ein Praxisbeispiel aus Wien: Ein Handwerksbetrieb mit 25 Mitarbeitern konnte seinen Verkaufspreis um 40% steigern, nachdem der Inhaber zwei Jahre lang konsequent Prozesse dokumentiert und einen Betriebsleiter eingestellt hatte. Der Käufer bezahlte den Premium-Preis, weil das Unternehmen auch ohne den Gründer reibungslos weiterlief.
Finanzielle Transparenz und Sauberkeit
Österreichische Unternehmer neigen dazu, private und geschäftliche Ausgaben zu vermischen. Das mag steuerlich clever erscheinen, wird aber bei einem Verkauf zum Problem. Käufer und deren Berater prüfen jede Buchung genau – unklare Kostenstrukturen schrecken ab und drücken den Preis.
Ihre Aufgabe: Trennen Sie geschäftliche und private Ausgaben konsequent. Erstellen Sie monatliche Reportings mit den wichtigsten Kennzahlen (Umsatz, EBITDA, Cashflow). Lassen Sie Ihre Jahresabschlüsse von einem Wirtschaftsprüfer testieren – das schafft Vertrauen und beschleunigt spätere Due-Diligence-Prozesse.
Realistische Exit-Optionen für österreichische Unternehmen
Strategischer Verkauf an Wettbewerber
Die häufigste und meist lukrativste Option ist der Verkauf an einen strategischen Käufer – typischerweise einen Wettbewerber oder ein Unternehmen aus einer verwandten Branche. Diese zahlen oft die höchsten Preise, weil sie Synergien nutzen können.
In Österreich funktioniert das besonders gut in fragmentierten Branchen wie Handwerk, Gastronomie oder IT-Services. Ein Wiener IT-Unternehmen mit 2 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte kürzlich das 8-fache seines EBITDA, weil ein größerer Konkurrent die Kundenbasis und das Fachpersonal übernehmen wollte.
Management Buy-Out (MBO)
Der Verkauf an die eigene Führungsmannschaft ist emotional oft der angenehmste Weg. Die Käufer kennen das Unternehmen bereits, und Sie können den Übergang aktiv mitgestalten. Allerdings verfügen interne Käufer selten über ausreichend Eigenkapital – die Finanzierung wird zur Herausforderung.
Lösungsansätze: Kombinieren Sie Bankfinanzierung mit einer gestaffelten Kaufpreiszahlung. Viele österreichische Unternehmer behalten zunächst eine Minderheitsbeteiligung und verkaufen diese erst nach 3-5 Jahren vollständig.
Private Equity und Finanzinvestoren
Für wachstumsstarke Unternehmen ab etwa 10 Millionen Euro Jahresumsatz werden auch österreichische Private-Equity-Gesellschaften interessant. Diese bringen oft frisches Kapital für weiteres Wachstum mit, erwarten aber auch eine klare Exit-Strategie nach 5-7 Jahren.
Börsengang – eine Option für wenige
Ein IPO an der Wiener Börse kommt nur für sehr wenige österreichische Unternehmen in Frage. Die Kosten sind hoch, die regulatorischen Anforderungen komplex. Realistisch ist diese Option erst ab einem Unternehmenswert von mindestens 100 Millionen Euro.
Die richtige Timing-Strategie
5-7 Jahre vor dem geplanten Exit: Beginnen Sie mit der systematischen Vorbereitung. Bauen Sie Management-Systeme auf, professionalisieren Sie das Reporting und reduzieren Sie Ihre persönliche Arbeitsbelastung.
2-3 Jahre vorher: Optimieren Sie gezielt die wichtigsten Kennzahlen. Steigern Sie wiederkehrende Umsätze, da diese bei der Bewertung höher bewertet werden. Investieren Sie in Wachstum und Effizienz.
12 Monate vorher: Beauftragen Sie einen erfahrenen M&A-Berater mit österreichischer Marktkenntnis. Die Vorbereitung eines professionellen Verkaufsprozesses dauert mindestens 6 Monate.
Konkrete nächste Schritte
Sofort umsetzbar: Führen Sie eine ehrliche Bewertung durch: Wie lange würde Ihr Unternehmen ohne Sie funktionieren? Erstellen Sie eine Liste der kritischen Abhängigkeiten und beginnen Sie systematisch, diese abzubauen.
Mittelfristig: Investieren Sie in professionelle Systeme und Mitarbeiterentwicklung. Jeder Euro, den Sie heute in Unabhängigkeit und Professionalisierung stecken, zahlt sich beim späteren Verkauf mehrfach aus.
Bei konkreten Verkaufsplänen: Kontaktieren Sie erfahrene M&A-Berater über die adoptabizz Expertenverzeichnis. Österreichische Spezialisten kennen die lokalen Besonderheiten und haben die richtigen Käuferkontakte.
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