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📚 Grundlagen Unternehmenskauf

Unternehmen kaufen vs. gründen: Kosten-Nutzen-Analyse

Gründen ist Vision – kaufen ist Execution. Dieser Ratgeber vergleicht beide Wege hart: Time-to-Market, Finanzierbarkeit, Risiko, Persönlichkeits-Fit – von aws-Übernahmegarantie bis Product-Market-Fit, von 18-Monaten-Startup-Durststrecke bis 5-Jahres-ROI.

adoptabizz Team2. Jänner 20262 Aufrufe
Unternehmen kaufen vs. gründen: Kosten-Nutzen-Analyse

Überblick

Sie stehen vor der Grundsatzentscheidung: Soll ich ein Unternehmen gründen oder einen bestehenden Betrieb kaufen? In Österreich ist diese Wahl weit mehr als eine Kostenfrage – sie bestimmt Ihre Cash-Flow-Kurve, Ihre persönliche Belastung und letztlich Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit. Die WKO zeigt: Rund 42 % aller Neugründungen scheitern in den ersten fünf Jahren, häufig wegen fehlendem Product-Market-Fit. Gleichzeitig berichten über 60 % der Käufer auf Adoptabizz, dass sie nach 18 Monaten profitabler sind als vor der Übernahme. Der Unterschied liegt nicht am Talent, sondern am Weg – und daran, wie gut Sie sich vorbereiten.

Die österreichische Realität ist hart: Gründen bedeutet, Monate oder Jahre ohne nennenswerten Cashflow zu überbrücken, während der Kauf sofort Umsatz und Kunden mitbringt – aber eben auch einen Kaufpreis und mögliche Altlasten. Dieser Ratgeber vergleicht beide Pfade knallhart: Zeit, Geld, Risiko, Persönlichkeits-Fit – mit konkreten Kennzahlen, lokalen Förderungen und einem klaren Go/No-Go-Rahmen.

Time-to-Market: Von der Idee zum ersten Euro

Eine Neugründung durchläuft typischerweise 18–36 Monate, bis der Cashflow positiv wird. Die Hürden sind hoch: Marktanalyse, Prototyp, Betriebsanlagengenehmigung, Gewerberecht, Product-Market-Fit. Die aws-Statistik zeigt: Selbst gut begleitete Startups brauchen durchschnittlich 14 Monate, bis sie 50.000 € Monatsumsatz erreichen.

Beim Kauf springt man diese Phase praktisch über: Am Tag des Closings gibt es Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und eine funktionierende Infrastruktur. Ein Steirischer Maschinenbauer kaufte einen Betrieb und erzielte nach drei Monaten denselben Online-Umsatz, für den er bei einer vorherigen Gründung 14 Monate gebraucht hatte. Die Botschaft: Wer schnell skalieren will, kauft sich die Zeit – und spart sich eine 12- bis 18-monatige Negativ-Cashflow-Phase.

Kostenstruktur und Finanzierbarkeit: Bar versus Leverage

Gründen beginnt oft als Low-Budget-Projekt: Home-Office, MVP, erste Freelancer. Doch die „versteckten“ Kosten (Markenaufbau, Zulassungen, Customer Acquisition) summieren sich schnell auf 150.000–400.000 €, bevor Break-even erreicht ist. Banken finanzieren reine Businesspläne selten – Sicherheiten oder hohes Privatkapital sind Pflicht.

Beim Kauf liegt der Fokus auf dem Kaufpreis – typisch 3–6× EBIT. Bei einem EBIT von 500.000 € sind das 2,5 Mio. €. Dank österreichischem Finanzierungsmix (25 % Eigenkapital, 60 % Bank mit aws-Garantie, 15 % Vendor Loan) fließt jedoch nur ein Bruchteil des Kaufpreises sofort aus dem eigenen Vermögen. Der Free-Cash-Flow des erworbenen Unternehmens deckt Zins und Tilgung – das Betriebsmittel refinanziert sich selbst.

Ein Vergleich: Gründung mit 300.000 € Eigenkapital, Break-even nach 24 Monaten versus Kauf mit 625.000 € Eigenkapital (25 % von 2,5 Mio. €), Break-even nach sechs Monaten. Der Käufer spart sich 18 Monate Negativ-Cashflow und bindet weniger Privatvermögen.

Risiko-Profil: Product-Market-Fit versus Altlasten

Das größte Risiko einer Neugründung ist der Product-Market-Fit – niemand garantiert, dass Kunden das neue Produkt wirklich wollen. Die WKO-Statistik zeigt: 42 % der Scheitern-Fälle beruhen auf „keine Nachfrage“. Lean-Startup-Methoden mindern das Risiko, aber sie eliminieren es nicht.

Beim Kauf liegt das Hauptrisiko in der Integration: verdeckte Verbindlichkeiten, falsche Rückstellungen, Kultur-Clash. Diese Risiken lassen sich jedoch durch professionelle Due Diligence, Garantieklauseln und Rückbehaltungen des Kaufpreises weitgehend kontrollieren. Die Erfahrung zeigt: 85 % der Käufer, die eine strukturierte DD durchführen, finden keine Altlasten über 100.000 € – bei Gründungen bleibt das Marktrisiko unabsehbar.

Fazit: Das Marktrisiko ist größer als das Integrationsrisiko – wenn man bereit ist, für Kontrolle zu bezahlen.

Persönlichkeits-Fit: Visionär versus Optimierer

Gründer-Profil: Visionär, Erfinder, hohe Unsicherheitstoleranz, 40–60 Stunden/Woche in Garage oder Inkubator. Erfolg hängt am Product-Market-Fit – Euphorie plus Disziplin.

Käufer-Profil: Optimierer, Strategie, moderate Risikobereitschaft, 45–50 Stunden/Woche mit Team-Führung, Reporting, Bank-Gesprächen. Erfolg misst sich an Cashflow-Steigerung, Kultur-Integration, KPI-Steuerung.

Selbst-Check: Bin ich bereit, 2–3 Jahre Negativ-Cashflow zu finanzieren? Will ich sofort Umsatz und Verantwortung für ein Team? Kann ich Due Diligence professionell begleiten (Berater + Eigenkapital)?

Go/No-Go-Entscheidungsrahmen – hart und österreichisch

Go für Kauf, wenn:

  • EBIT > 300.000 € (sonst zu hohe Transaktionskosten)

  • Eigenkapital > 20 % des Kaufpreises liquid

  • Due-Diligence-Budget > 25.000 € eingeplant

  • Zeit-Horizont 3–5 Jahre – Exit nicht sofort nötig

Go für Gründung, wenn:

  • Eigenkapital > 150.000 € oder starke Förderungen (aws, Inkubator)

  • Zeit-Horizont 24–36 Monate bis Break-even akzeptiert

  • Persönlichkeit: Visionär, hoch belastbar, Lean-Methoden beherrscht

  • Markt: klarer Product-Market-Fit durch Kundeninterviews + MVP bestätigt

Hybrid-Optionen:

  • Search Fund – junger Manager kauft und führt, EBIT 200–800 k€, kein Eigenkapital nötig

  • Spin-Off – Tochter aus Konzern herauslösen, aws-Spin-off-Förderung bis 200.000 €

Konkrete nächste Schritte

Machen Sie ehrliches Eigenkapital-Inventar – Gründung braucht 150 k€+, Kauf braucht 20–30 % Kaufpreis liquid. Prüfen Sie Markt-Idee – Product-Market-Fit durch 100 Kundeninterviews oder Kauf mit bestätigtem Cashflow. Beantragen Sie Förderungen frühzeitig – aws Übernahmegarantie, aws Grunderfonds, KMU-Digital. Und: niemals allein verhandeln – M&A-Berater für Kauf, Inkubator-Berater für Gründung. Die Kosten für Beratung (15.000–30.000 €) sind vernachlässigbar gegenüber Risiko-Reduktion und Beschleunigung. Für Begleitung stehen Ihnen erfahrene Gründungs- und Übernahmeberater im adoptabizz Expertenverzeichnis zur Verfügung.

GründungKaufStrategieRisikoNachfolge

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