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Private Equity und Family Offices in Österreich

Als österreichischer Unternehmer wissen Sie: Wenn die Familie nicht übernimmt, kommen die Profis. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Private Equity Fonds und Family Offices den Mittelstand verändern, welche KPIs Sie auf Knopfdruck brauchen und warum ein M&A-Berater Pflicht ist – von 5-7-Jahres-Exit bis zum Evergreen-Partner.

adoptabizz Team2. Jänner 20262 Aufrufe
Private Equity und Family Offices in Österreich

Überblick

Die nächste Generation will die Firma nicht führen, die Bank drängt auf eine Lösung – und Sie stehen vor der Frage: Verkauf an einen Konkurrenten oder an die „Profis“? In Österreich wächst die Beteiligung professioneller Investoren rasant: Laut PWC Austrian M&A Study 2024 fließen über 60 % des Kaufpreises in Nachfolgedeals mittlerweile von Private-Equity-Fonds (PE) oder Family Offices. Das Image der „Heuschrecke“ ist längst überholt – die neue Realität heißt „wachstumsstarker Langfrist-Partner“ oder „strukturierter Exit mit zweiter Chance“. Doch wer passt wirklich zu wem – und was kostet es, unvorbereitet an den Start zu gehen?

Die Unterscheidung ist entscheidend: PE-Fonds denken in 5-7-Jahres-Zyklen, Family Offices können „ewig“ halten. Der eine will EBIT-Steigerung, der andere will Namensbestand. Der eine will KPI-Dashboards auf Knopfdruck, der andere will persönliches Vertrauen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen die Unterschiede auf – mit harten Eckdaten aus österreichischen Transaktionen und Checklisten, die Sie vor unangenehmen Überraschungen schützen.

Private Equity Fonds: Rendite statt Rückwärtsgewandtheit

PE-Fonds in Österreich verwalten laut Venture Capital Report mittlerweile über 8 Mrd. € – Tendenz steigend. Ihr Geschäftsmodell ist klar: Buy & Build, dann Exit. Das bedeutet für Sie:

  • Mindestgröße: meist > 10 Mio. € Umsatz und EBIT > 1 Mio. € (sonst zu hohe Transaktionskosten)

  • Zeithorizont: typischerweise 5–7 Jahre, danach Verkauf an Strategen, Börsengang oder nächsten Fonds

  • Zielrendite: interner Zinsfuß (IRR) > 20 % – entspricht Verdoppelung des Enterprise Value in 5 Jahren

Beispiel: Ein Oberösterreicher Maschinenbauer (25 Mio. € Umsatz, 2,5 Mio. € EBIT) verkauft 75 % an einen PE-Fonds. Kaufpreis: 12 Mio. € (4,8× EBITDA). Fonds bringt:

  • CFO aus der eigenen Netzwerk-Pool

  • Buy-and-Build – zwei Zukäufe in 3 Jahren, Umsatz steigt auf 38 Mio. €

  • Exit nach 6 Jahren an Börsenkandidat – Verkaufspreis: 28 Mio. €
    IRR des Fonds: 22 %Verkäufer behält 25 % und verdient zusätzlich 4 Mio. € bei Exit.

Der Vorteil für Sie: sofortige Verkaufsumme, professionelles Reporting, Zugang zu Netzwerken. Der Nachteil: Exit-Pflicht – Sie müssen sich darauf einstellen, dass Ihr „Baby“ in ein paar Jahren weiterverkauft wird – und dass der Fonds operative Eingriffe (Kostenstellen-abbau, neue KPI-Strukturen) vornimmt.

Kostenstruktur:

  • Due-Diligence-Kosten: 200.000–400.000 € (je Größe, wird vom Kaufpreis abgezogen)

  • Management-Fee: meist 2 % p.a. auf investiertes Kapital

  • Carried Interest: 20 % des Gewinns ab bestimmter Hurdle-Rate

Wenn Ihr EBIT unter 1 Mio. € liegt, sind große PE-Fonds selten interessiert – hier kommen Search Funds oder Micro-PE ins Spiel (siehe unten).

Family Offices: Evergreen statt Exit-Druck

Family Offices verwalten das Vermögen reicher Unternehmerfamilien – oft selbst ehemalige Industrielle. Ihr Ziel ist Kapitalerhalt und langfristige Beteiligung, nicht IRR-Maximierung. Kennzeichen:

  • Kein festes Exit-Datum – Haltehorizont „ewig“ möglich

  • Kulturelle Passung – Themen wie Standortbindung, Mitarbeiterloyalität, Firmenname haben hohes Gewicht

  • Diskretion – oft operieren sie über Holding-Strukturen, Name taucht nirgends auf

Beispiel: Salzburger Lebensmittelproduzent (35 Mio. € Umsatz, Familie will aussteigen) verkauft 80 % an ein Wiener Family Office (Hintergrund: ehemalige Papierindustrie-Familie). Konditionen:

  • Kaufpreis: 14 Mio. € (5,2× EBITDA)

  • Kein Exit-Zwang – Vertrag: „mindestens 15 Jahre, sofern Zahlen stimmen“

  • Kein CFO-Ersatz – bestehendes Management bleibt, Board-Seat für strategische Fragen

  • Dividenden-Politik: 40 % des Gewinns müssen ausgeschüttet werden – Rest für Wachstum

Vorteil für Verkäufer: kulturelle Fortführung, kein Zeitdruck, langfristige Dividenden. Nachteil: geringerer Kaufpreis als bei PE (meist 4–6× EBITDA statt 6–8×), weniger operative Unterstützung, da keine professionelle Buy-and-Build-Maschine im Hintergrund.

Größen-Segment: Family Offices investieren ab ca. 5 Mio. € Umsatz – sie sind flexibler bei Größe, aber wählerischer bei Kultur und Standort.

Search Funds & Micro-PE: Die neue Generation

Search Funds sind junge Unternehmer, die nicht gründen, sondern kaufen. Sie erhalten Seed-Kapital (ca. 500.000 €) von Investoren und suchen dann ein Unternehmen zum Selbstführen. Kennzahlen:

  • Zielgröße: 1–10 Mio. € Umsatz, EBIT 300.000–1 Mio. €

  • Transaktionsvolumen: 2–8 Mio. € Kaufpreis

  • Zeitrahmen: 24 Monate Suche, dann 20-Jahres-Horizont

Vorteil für Verkäufer: kulturelle Fortführung, junge Energie, kein Exit-Druck. Nachteil: weniger Kapital für Zukäufe, erfahrungsarm im operativen Großbetrieb.

Micro-PE-Fonds (z.B. Speedinvest, Apex) fokussieren sich auf digitale Geschäftsmodelle oder Sachwerte – oft Buy-and-Build-light mit 10-Jahres-Fonds. Hier sind EBIT 500.000–2 Mio. € gefragt, Ticket-Size 3–15 Mio. €.

Der Verkaufsprozess: Data-Room statt Handschlag

Professionelle Investoren kaufen nicht am Stammtisch – sie kaufen im Data-Room. Der Prozess dauert 6–12 Monate und ist streng strukturiert:

  1. Teaser (1–2 Seiten, anonym)

  2. Information Memorandum (30–50 Seiten, KPIs, Markt, Strategie)

  3. Management-Präsentation (Live, 2 Stunden)

  4. Due Diligence (Finanzen, IT, Recht, ESG) – 30–100 Tage

  5. Verhandlung & SPA (Share Purchase Agreement)

KPIs, die auf Knopfdruck kommen müssen:

  • EBIT, EBITDA, EBITDA-Marge (3 Jahre)

  • Cash Conversion Cycle

  • Kundenstreuung / Top-10-Anteil

  • Mitarbeiter-Fluktuation / Key-Person-Risiko

  • IT-Security & DSGVO-Compliance

Beispiel schlechter Vorbereitung: Steirischer Maschinenbauer lieferte Excel-Listen statt SAP-Export – Due-Diligence dauerte 5 Monate statt 8 Wochen. Der Preis wurde um 1,2 Mio. € reduziert – weil Investoren Risikoaufschlag für mangelhafte Daten gaben. Die Lektion: bereit sein oder bezahlen.

Kosten des Verkaufsprozesses:

  • M&A-Berater: 1–2 % des Kaufpreises (Success-Fee)

  • Legal & Tax Due Diligence: 50.000–150.000 €

  • Data-Room-Software: 2.000–5.000 €

  • Steuer- und Vertragsgestaltung: 30.000–80.000 €

Für wen sich welche Lösung lohnt

  • Unternehmen < 1 Mio. € Umsatz, EBIT unter 300 k€
    Ziel: Ruhe, kleiner Exit, wenig Bürokratie.
    Passend: Search Funds oder private Nachfolger – Menschen, die selbst führen wollen und keine große Transaktionsmaschinerie hinter sich haben.

  • 1–5 Mio. € Umsatz, EBIT 0,3–1 Mio. €
    Ziel: kontrolliertes Wachstum, keine Hektik, kulturelle Fortführung.
    Passend: Micro-PE-Fonds oder regionale Family Offices – sie bringen Kapital und Know-how, aber keinen harten Exit-Zwang.

  • 5–20 Mio. € Umsatz, EBIT 1–3 Mio. €
    Ziel: Buy-and-Build, Exit in 5–7 Jahren, internationales Wachstum.
    Passend: Mid-Cap-PE-Fonds oder strategische Family Offices – sie haben Ressourcen für Zukäufe und skalierbare Strukturen.

  • > 20 Mio. € Umsatz, EBIT > 3 Mio. €
    Ziel: internationaler Exit, maximale Bewertung, strategische Neuausrichtung.
    Passend: Large-Cap-PE-Fonds oder strategische Industrie-Käufer – sie können globale Synergien heben und den höchsten Preis zahlen.

Faustregel:

  • EBIT < 1 Mio. € → große PE-Fonds interessiert sich selten, Transaktionskosten zu hoch.

  • Kein digitales ReportingPreisabschlag 10–20 %

  • Kein M&A-BeraterVerhandlungsmacht gegen Null

Konkrete nächste Schritte

Klären Sie Ihre Größe und Ziele – dann wählen Sie den passenden Investorentyp. Bereiten Sie KPI-Dashboards vor – auf Knopfdruck lieferbar (Power-BI reicht). Engagieren Sie frühzeitig einen M&A-Beraternie allein gegen Profis verhandeln. Nutzen Sie Förderungen für Vorbereitung – z.B. aws Nachfolgebonus bis zu 15.000 € für externe Beratung. Und dokumentieren Sie alles – Data-Room ist Ihr Verkaufs-Schaufenster. Die Kosten für Vorbereitung (15.000–30.000 €) sind vernachlässigbar gegenüber Millionen-Preisaufschlag bei professioneller Präsentation. Für Begleitung stehen Ihnen erfahrene M&A- und PE-Spezialisten im adoptabizz Expertenverzeichnis zur Verfügung.

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